Ich hatte ja schon öfters mal überlegt und ein Freund hat mich dann am Ende überzeugt: Wir haben einen 3D Drucker. Ich habe mich für einen Selbstbausatz auf Basis des Openhardware Projekts Prusa I3 entschieden. Man kann sich dazu alle Komponenten selbst beschaffen. Sinnvoller erschien mir ein Komplettkit zu kaufen und dieses zu optimieren. Man bekommt hier einen Komplettbausatz zu Preisen, die man schwer in Einzelkäufen erreichen kann.

Ich habe mich für einen Geeetech Prusa I3 Pro X entschieden und diesen für 265€ bei ebay erstanden (Verkäufer isecsv110 = Geeetech). Der Vorteil des Kits sind die m.E. relativ anständigen Komponenten. Weiterhin werden in diesem Set keine gedruckten Teile für den Drucker verwendet. Diese haben in vielen Kits eine eher miese Qualität. Geeetechs Konstruktion ist ziemlich stabil.
Mit Zoll und Gebühren war das Paket per DHL für ca. 334€ eine Woche später da. Ich will hier keine Werbung für die Firma Geeetech machen. Es gibt viele gute Bausätze. Hier sind meine Ergänzungen & Änderungen zur offiziellen Anleitung mit diesem Kit. Einiges dürfte auf ähnliche Modelle übertragbar sein. Erwähnen möchte ich jedoch, dass Geeetech bei fehlerhaften Teilen problemlos Ersatz schickt und auch einen sinnvollen technischen Support und ein Forum anbietet.
Generell gilt hier aber wie auch bei vielen anderen Kits: Bau es so auf, wie es die Anleitung zeigt und es klappt garantiert nicht. Im Zweifelsfall hilft Intuition und technisches Verständnis weiter.
Metallstangen kontrollieren, richten oder Ersatz besorgen:
Direkt am Anfang sollte man die Metallstangen kontrollieren. Dazu rollt man die Stangen auf einem Tisch mit gerader Oberfläche. Sind die Stangen schief, muss man sie richten oder man braucht Ersatz. Wichtig sind vor allem die M8 Gewindestangen (die dünneren). Die glatten Stangen sollten natürlich auch gerade sein. Eine Abweichung ist hier aber nicht ganz so schlimm. Relativ egal sind Abweichungen bei den dicken Gewindestangen.
Unterlegscheiben verwenden:
Jede Schraube, die mit dem Acryl in Kontakt kommt, bekommt auch eine Unterlegscheibe. Das steht so zwar nicht in der Anleitung, es sind aber genug Scheiben dabei. Die Scheiben sind wichtig, um den Druck breiter zu verteilen. Acryl kann reißen, wenn man die Schrauben zu sehr anzieht.

Zahnriemen in Y-Richtung (Tisch vor/zurück):
Baut man den Riemen so wie beschrieben ein, so läuft er schräg. Gerade in der Endposition kann das eigentlich nicht gut gehen. Die Lösung ist einfach: Die Zahnriemenscheibe (Pulley) herumdrehen. Dann läuft der Riemen gerade.

Verschraubungen der großen Gewindestangen / Basis:
In der Anleitung und den Videos werden hier mal kurz die Muttern angezogen. Man muss hier aufpassen, dass man keine unnötige mechanische Spannung erzeugt. Am besten mit einem Metallwinkel prüfen, dass alles im Lot ist und die Schrauben so fixieren, dass die Winkel passen.

Schlitten der z-Achse (auf/ab)
Hier besteht der größte Optimierungsbedarf und auch die größte Fehlerquelle für nachfolgende Probleme mit der Druckqualität. Die z-Achse ist der Schwachpunkt der Prusa Konstruktion. Auch kleine mechanische Spannungen koppeln von den Gewindestangen auf den Extruder-Schlitten ein. Und das erzeugt dann unschöne Ringe & Abweichungen im Ausdruck.
a) Position der z-Nuss
In der Geeetech Variante ist es unglücklich gelöst, dass die z-Nuss des Schlittens unten montiert ist. Die Alukoppler an den Schrittmotoren sollen Abweichungen in x/y Richtung bei der Drehung der Gewindestangen ausgleichen. Wenn der Extruderschlitten aber ganz nach unten gefahren ist, so ist die z-Nuss ganz nahe bei den Alu-Kopplern und jegliche Abweichung wirkt maximal. Deshalb habe ich die Konstruktion verändert und die z-Nüsse nach oben verlagert.
Dazu muss man die 4 Bohrungen auf der linken Seite im oberen Acrylteil selbst bohren. Links sind die Bohrungen oben wie unten vorhanden.

b) Durchführungen für die glatten Stangen vergrößern
Wenn man die Linearlager in die z-Schlitten montiert, laufen die glatten Stangen schwergängig. Der Grund ist schnell gefunden: Die Stangen schleifen oben/unten am Acryl des Schlittens. Also haben ich die Löcher auf M10 aufgebohrt. Es macht keinen Sinn, dass die Löcher im Acryl ebenso wie die Stangen 8mm sind.

c) Rechtwinkligkeit / Parallelität von Gewindestange und glatter Stange
Der Ausrichtung der glatten Stangen wird durch das Linearlager definiert. Die Ausrichtung der Gewindestangen orientiert sich an den z-Nüssen, die mit dem zum Linearlager senkrechten Acrylteil verschraubt sind. Aufgrund von Fertigungstoleranzen an den Acrylteilen ist der z-Schlitten aber ganz und gar nicht rechtwinklig. Deshalb habe ich die Teile mit einer Metallfeile so nachbearbeitet, dass die beide Stangen parallel laufen. Dies prüft man am besten, bevor man die Schlitten montiert.
d) Leichtgängigkeit der Gewindestangen
Für eine gute Leichtgängigkeit habe ich die Stangen mit Silikonspray eingesprüht. Weiterhin war etwas Silikonspray am oberen Acryllager der Gewindestangen nötig.
Alukoppler richtig nutzen
In der Anleitung werden die Gewindestangen mal kurz in die Alukoppler der Schrittmotoren eingeführt und festgeschraubt. Dabei wird der eigentlich Trick aber nicht erklärt. Die Gewindestangen dürfen nur im oberen Teil der Koppler sein; so weit, dass man sie mit der Madenschraube fixieren kann. Dadurch werden Abweichungen in x/y Richtung am besten entkoppelt.
Setzt hingegen die Gewindestange auf der Achse des Schrittmotors auf, so kann der Koppler seine Aufgabe nicht erfüllen.

z-Schlitten einmessen
Mit einer Schieblehre sollte man beide Schlitten nach der kompletten Montage sehr genau einmessen. Dazu nimmt am am besten zwei Holzklötze, die exakt identisch sind. Damit kann man durch Drehen der Gewindestangen die Schlitten so absenken, dass die glatten Stangen der x-Achse auf den Holzklötzen aufliegen.
LCD/SD richtig anschließen
LC und SD müssen richtig zwischen dem GT2560 Board und dem Display verkabelt werden. Diverse Anleitungen von Geeetech sind fehlerhaft. Das steht auch in vielen Foren. Es gibt auch korrigierte Anleitungen. Da man aber nicht weiß, ob man eine korrigierte Anleitung hat, ist man trotz Forumskommentaren wieder unschlüssig. Da beide Stecker identisch sind, bekommt man auch daraus keinen Hinweis. Schaut man genauer hin, so kann man erkennen, welche Leiterbahnen am LCD zum Display und welche zur SD laufen. Die richtige Beschaltung zeigt das folgende Foto:

Die Bezeichnungen für LCD und SD auf dem GT2560 Board sind korrekt.
Ein Motor dreht falsch rum?
Nach dem ersten Einschalten und dem Auswahl von „AutoHome“ im Menü fuhr bei mir die x-Achse in die falsche Richtung und erreichte so natürlich nie den Endschalter. Man könnte nun den Zahnriemen entgegen der Anleitung herumdrehen. Alternativ kann man das Motorkabel umpinnen. Dazu nimmt man eine Nadel und hebt die kleinen Plastikzungen im motorseitigen Stecker an während man vorsichtig am Kabel zieht. Die Verkabelung wird so gespiegelt und schon dreht der Motor anders herum.

12V Spannung einstellen
Nach den ersten Tests sollte man die Spannung prüfen, die das Schaltnetzteil erzeugt. Mit dem kleinen Poti neben den Stromanschlussklemmen kann man die Spannung einstellen. Dazu löst man am besten erst einmal den Stromversorgungsstecker am GT2560 Logik Board, damit beim Einstellen nichts schief gehen kann. Ich habe zunächst eine Spannnung von 12,8V gewählt. Das stellt einen ersten Kompromiss zwischen Spannung für das Logikboard und genug Spannung für Motoren und Hotbed dar.
Zugentlastung am Extruderschlitten
Es ist sinnvoll am Extruderschlitten eine Zugentlastung vorzusehen, so dass die permanenten Bewegungen des Schlittens keine mechanische Belastung für die Stecker am Extruder erzeugen. Das kann beispielsweise mit Kabelbindern realisiert werden.

Hotbed optimieren & Drehknopf am LCD geht falsch herum?
–> Dazu schreibe ich eigene Einträge.
Mit den oben genannten Optimierungen sind Ausdrucke wie das gezeigte Gears Objekt problemlos möglich (P Gears auf Thingiverse).