Vor etwa 10 Monaten habe ich ein RFID Codeschloss Projekt für den alten Keymatic KM300 IQ+ / Abus CFA1000 Türschlossantrieb vorgestellt (Teil 1,Teil 2,Teil 3,Teil 4). Die Motivation war damals einen Ersatz für das Original Codeschloss zu finden. Dieses Codeschloss verschleißt schnell und ist am Markt nicht mehr erhältlich. Die Resonanz auf den Beitrag war deutlich über meinen Erwartungen.
Der Türschlossantrieb ist vor einiger Zeit in einer neuen Version namens Keymatic eQ-3 erschienen.

Für diesen gibt es meines Wissens kein sinnvolles Codeschloss auf den Markt**. Ein Freund wollte nun auch so ein Codeschloss wie wir es in Betrieb haben. Deshalb habe ich mich daran gesetzt, das RFID Codeschloss für die eQ-3 Version zu erweitern. Das Konzept des RFID Codeschlosses ist gleich geblieben und ist in den alten Blogeinträgen beschrieben. Deshalb werde ich hier auf die Unterschiede fokussieren. Weiterhin habe ich die Gelegenheit genutzt, das Codeschloss über WLAN programmierbar zu machen. Dies und weitere Schaltungsvarianten stelle ich in einem folgenden Teil vor.
Welches Codeschloss habe ich?
Auf der unteren Seite des Türschlossantriebs steht die Version. Hier ein Foto von der Keymatic eQ-3. Bei den alten Antrieben steht dort bei Abus CFA1000 oder KM300 IQ+ für die Keymatic Version.

Unterschiede des alten IQ+ Antriebs zum neuen eQ-3 Modell
Der wesentliche Unterschied besteht in den neuen Funksendern und dem neuen Funkprotokoll. Die Sender laufen jetzt mit 1.5V und nutzen ein proprietäres, bidirektionales Protokoll namens Bidcos. Durch die bidirektionale Übertragung wird die Übertragung sicherer. Beim alten Codeschloss musste man die Tasten des Senders länger drücken, um sicherzustellen, dass die Türe schließt. Entsprechend verhält sich auch das Codeschloss. Bei den neuen Handsendern ist das nicht mehr nötig. Ein kurzer Puls langt, der Handsender beginnt sein Protokoll mit der positiven Flanke und schon schaltet das Schloss.
Für das neue eQ-3 Modell muss also:
- die SW so geändert werden, dass nur kurze Pulse für Öffnen/Schließen erzeugt werden
- die HW so geändert werden, dass sie mit den 1.5V Handsendern zusammenarbeitet
- eine Methode gefunden werden, einen Handsender passend umzubauen
Es gibt noch einen verkraftbaren Nachteil des neuen eQ-3 Modells: Drückt man bei dem neuen Modell die Taste „Abschließen“ wenn das Schloss verriegelt ist (also der Riegel ausgefahren ist), so wird die Türe entriegelt. Um ein Missverständnis zu vermeiden: Die Türe wird nicht aufgeschlossen, aber der Riegel wird eingefahren.
Dieses Verhalten des eQ-3 Modells hat den Nachteil, dass man keinen öffentlich bekannten Code wie 0# zum Abschließen verwenden sollte. Man kann zwar nicht aufschließen, aber entriegeln. Bei dem alten Modell führt wiederholtes Abschließen nicht zu einer Entriegelung.
Umbau des Handsenders:
Den Handsender muss man zum Umbau öffnen. Dazu die Batterie entnehmen und dann die Haltelaschen ringsherum um das Gehäuse aushaken. Das ist nicht weiter schwer und mit etwas Fingerspitzengefühl machbar. Dreht man die Platine dann auf die Seite mit den Tastern, so lassen sich Testpunkte mit der Bezeichnung MPn (n=Zahl) finden.

Wir brauchen MP6 und MP5. An diese Punkte sowie an Plus- und Minuspol des Batteriefachs Kabel anlöten. Die Kabel vor dem Zusammenbau noch kurz markieren. Wenn man die Kabel so wie im Bild gezeigt verlegt, kann man den Handsender wieder zusammenbauen und auch noch mit einer Batterie und den eingebauten Tasten betreiben. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Warnung: Bitte keine Batterie einlegen, wenn der Handsender von der Codeschloss Schaltung mit Spannung versorgt wird! – Die Batterie würde gegen den Festspannungsregler „antreten“ …
Da die eQ-3 Handsender mit 1.5V laufen, brauchen wir eine entsprechende Versorgungsspannung. Prinzipiell könnte man den Handsender auch weiterhin mit einer Batterie betreiben. Aber wenn schon, dann richtig. Also habe ich die Schaltung um einen LM1117-1.5V Festspannungsregler und einen Stützelko ergänzt. Die Spannungsversorgung habe ich im Unterschied zum alten Sender permanent gestaltet. Die neuen Handsender beginnen nach dem Einlegen einer neuen Batterie einen Initiationsprozess. Den wollen wir nicht bei jeder Codeeingabe auslösen.
Um die Tasten über die Punkte MP5&6 ansprechen zu können, habe ich an die Arduino Pins für Öffnen und Schließen Spannungsteiler aus 100kOhm und 220kOhm angebaut. Damit entsteht zwischen den beiden Widerständen ein Punkt, an dem der Arduino nun eine Potentialdifferenz von 1.5V schalten kann. Der Strom durch diese Spannungsteiler ist im Mikroampere-Bereich und vernachlässigbar. Die Eingänge der Funkfernbedienung sind hochohmig und funktionieren mit diesem Konzept sehr gut.
Von der Hardware-seite her ist die Änderung damit abgeschlossen. Hier das entsprechende Schaltbild:

Änderung der Software:
Wie schon zuvor erwähnt, habe ich die Pulsdauer für Öffnen/Schießen verkürzt; konkret auf 100 Millisekunden. Das hat auch einige Einflüsse auf die Signale am Codeschloss (Buzz & LED). In den Code habe ich in der HandleCodes.ino einen #define eingebaut, mit dem man alle Codeänderungen zentral schalten kann:
So erzeugt man den Code für die eQ-3 Version:
#define EQ3LOCK 1 // enable this define for support of the new Keymatic eQ-3 lock
und mit // davor wird def Define auskommentiert und die IQ+ Version ist aktiv:
//#define EQ3LOCK 1 // enable this define for support of the new Keymatic eQ-3 lock
Hier ist der passende Code für den WiegandController V1.2; Benutzer bestehender Installationen können den Code einfach upgraden (defines beachten). Die Belegung des EEProms ist gleich geblieben. Wiegand_Controller_1.2_EQ3
Im Teil 6 stelle ich einige Schaltungsvarianten vor. Dort ist auch ein konkreter Aufbau zu sehen.
** Es gibt offenbar einen oder mehrere Drittanbieter, welche ein Bundle aus einem DK-2882 Codeschloss und eine HomeMatic Schnittstelle 76784 für 170-190€ verkaufen. Dieses Bundle ist m.E. zweifacher Unsinn:
1. Man bekommt Codeschloss und Schnittstelle für ingesamt unter 120€, wenn man sie bei Conrad oder ELV direkt kauft.
2. Die Konstruktion ist unsicher. Wenn man die Homematic Schnittstelle an dem Codeschloss anschließt, liegen die Anschlüsse zum Aufschließen vor der Haustüre! – Eine Sabotage ist extrem einfach. Man kann die Türe mit einem Stück Draht öffnen, wenn man an die Rückseite des Codeschlosses oder die Kabel dahinter gelangt.



































